Brunnen- und Schulbauprojekt Region Aboy
Im November 2009 reiste Familie Schmidt nach Äthiopien, um Verwandte zu besuchen. Hierbei wurde die Gelegenheit genutzt, verschiedene Aufbauprojekte, die von Frau Worknesh Schmidt im Rahmen ihrer Tätigkeit für die "Vereinigung äthiopisch-deutscher Christen in Deutschland e.V." angestoßen wurden, zu inspizieren. Die Kollekte Juni 2009 der evangelischen Kirchengemeinde Heisterbacherrott sowie eine Kollekte der katholischen Kirchengemeinde Thomasber-Heisterbacherrott ermöglichte den Bau eines Brunnens bzw. Wasserstelle im Dorf Yifech Kola in der Region Aboy, ca. 170 km nördlich von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Dieses Brunnenprojekt war insofern interessant, weil hier keine reparaturanfällige Pumpe verwendet wurden musste, da das Wasser von einer höher gelegenen Felsquelle durch Eigendruck zur Wasserstelle ins Dorf über ein 800 m langes PVC-Rohr geleitet werden konnte. Das Projekt (und 2 Folgeprojekte) wird im Folgenden anhand eines Reiseberichtes mit vielen Fotos erläutert.
Satellitenkarte von Äthiopien
Die Autofahrt von Nazreth führte zuerst über die ca. 100 km entfernte Hauptstadt und 5-Millionen-Metrople Addis Abeba, dann über eine gut ausgebaute Straße ca. 130 km nach Norden in Richtung der Stadt Debre Berhan auf der Bundesstraße 3. In der Stadt Muku Teri wurde die Bundesstraße verlassen, und weiter ging es auf eine Schotterstraße Richtung Nordosten. Nach ca. 30 km ging es dann links ab auf einen Feldweg, der meist aber gar nicht als solcher zu erkennen war. Gottseidank hatten wir ein gutes Geländefahrzeug. Meist mit weniger als Schritttempo ging es noch 6 km, bis dann auch mit dem Geländefahrzeug nichts mehr ging.
Die Reise ging von Nazareth (Nazret, Adama, auf
Karte unten) über Addis Abeba auf der B3 Richtung Norden.
Oben, rechts von Fiche, ist das Ziel, die Schlucht des
Jamma-Flusses
Um 6.00 Uhr ging es von Nazareth los, 100 km südöstlich von Addis Abeba. Worknesh und Tochter Tigist holen den Schlaf während der Fahrt nach.a
hrt nach.
Auf der gut ausgebauten Bundesstraße 3 in Richtung Norden
Weiter auf der Schotterstraße hinter Make Turi, vorbei an den typischen "Tukuls"
30 km weiter, dann links weiter auf Feldwegen und Äckern
Das Ende der Fahrt war dann im Dorf Mergafet, wo sich auch eine Schule befand. Dort wurden wir von einigen Bewohnern des Dorfes Yifech Kola, unser eigentliches Reiseziel, empfangen, die uns dann auf einem 4-stündigen Fußmarsch begleiteten
Fertig zum Abmarsch
Nach ca. 1 Stunde Fußmarsch erreichten wir die Schlucht des Jamma-Flusses,ein atemberaubender Anblick
Unten liegt das Dorf Yifech Kola. 3 Stunden Abstieg
von 2600 m über NN auf 1700 m NN standen uns bevor.
Hinter dem Dorf liegt der Fluss Jamma, der aber in einem weiteren Canon von
ca. 50 Tiefe liegt. Das Wasser des Flusses ist von Yifech Kola aus somit nur
äußerst schwierig erreichbar.
Der früher benutzte Abstieg zum Fluss. Das Foto wurde uns vom Evangelisten Anfang 2009 zugeschickt, dann eingescannt.
Höhenkarte der Schlucht vom Jamma-Fluss
Das Auto konnten wir da parken, wo der Schriftzug "Bolo" eingetrgen
ist. Auf dem Plateau 2600 m über NN ging es los. Der Einstieg in die Schlucht
befindet sich etwa in Höhe des Fluss-Knickes. Das Dorf Yifech Kola (roter
Kreis) leigt bei etwa 1650 m NN
Noch mal der Blick Richtung Osten. Der Einstieg in die Schlucht befindet sich hinter dem Felsvorsprung rechts oben
Einstieg in die Schlucht vom Plateau aus gesehen
Tigist und Worknesh beginnen den Abstieg
Mitten im Einstieg
Tigist hat den Einstieg erstmal geschafft
Worku hilft Worknesh beim Abstieg. Worku ist hier in Yifech Kola geboren und in der Region Nazareth als Evangelist tätig, der Steilhang ist für den dicken Worku ein Kinderspiel
Fast unten auf 1700 über NN angelangt
Noch einmal ein stolzer Blick zurück vom Dorfeingang ausgesehen, geschafft!
Noch rechtzeitig bei Sonnenuntergang in Yifech Kola angekommen
Vor dem Haus des Bürgermeisters und unserer Unterkunft hält Fam. Schmidt nach dem 4-stündigen Fußmarsch die wohlverdiente Ruhepause
Im Vorhof beim Bürgermeister
Vor der Unterkunft hält Worknesh und Tigist ein Schwätzchen mit unserem Fahrer
nach der Ruhepause wurden wir von den Dorfbewohnern zum eigentlichen Ziel geführt, die neue Wasserstelle
Hier hält der orthodoxe Priester gerade ein Schwätzchen. Die Plastikkanister haben fast überall die früheren Tonkrüge für das Wasserholen abgelöst. Das Felsquellwasser ist von hoher Qualität und kann ohne weitere Behandlung getrunken werden. Für Fam. Schmidt war es das einzige mal in Äthiopien, wo sie direkt aus dem Wasserhahn getrunken hat.
Aus der rotumrandeten Felsspalte wird das Wasser herunter zuerst in einen Tank, dann zu der Wasserstelle weitergeleitet
Der Wassertank neben der Wasserstelle
Baumaterialien, hier 800 m PVC-Schlauch
Das Foto wurde Mitte 2009 vom Evangelisten geschickt, dann eingescannt
Dorfbewohner beim Rohrverlegen
oben an der Felsquelle
Das Foto wurde Mitte 2009 vom Evangelisten geschickt, dann eingescannt
Hier ist jetzt immer Hochbetrieb
Die Kinder sind immer noch verantwortlich für das Wasserholen, aber jetzt
ist es viel näher und weniger gefährlich als beim alten Steilabstieg
zum Fluss
Uns Besuchern zur Ehre wird eine Ziege geschlachtet
Worknesh konnte die Schlachterei nicht mit ansehen, und kühlte sich lieber die Füße nach dem ansgtrengenden Fußmarsch
Unser Nachtlager im Haus des Bürgermeisters. Die Matratzen haben wir von Nazareth mitgebracht, die Dorfbewohner haben sie für uns herunter geschleppt
Hier wohnt der Vater des Evangelisten Worku
Begrüßung des bettlägerigen Vaters
hier ein "Familienfoto"
und noch eins
Der Kaffee wird gewaschen, dann geröstet
ein Versuch ohne Blitzlicht, beim Kaffee-Rösten
unser Wächter, der Hyänen von der frisch geschlachteten Ziege fern halten soll
In der Nacht werden die Kühe in den Hof geholt und schauen uns beim Ziegenschmaus zu
Coffee is ready
In unserer Unterkunft hatten wir sogar elektrisches
Licht!
Eine ausgehölte 220V-Glühbirne, innen 3 weiße LEDs installiert,
gespeist mit eine AA-Batterie 1,5 V. Alle Achtung vor dieser Ingenieurskunst!
Am nächsten Morgen große Versammlung
auf dem Dorfplatz
Eine Delegation des Nachbardorfs Girger wollte uns sprechen. Sie möchten
auch eine Wasserstelle wie in Yifech Kola haben.
Worknesh betet mit der Delegation, dass ihr Wunsch eines Tages in Erfüllung geht
Jetzt einen kleinen Spaziergang durch Yifech Kola
zwei hübsche Begleiterinnen
irgend ein Hof
und irgendeine Hütte
Der Eingang zum Hof des Bürgermeisters
der Nachbarhof
der Vorhof des Bürgermeisters, rechts Brennstofflager (getrocknete Kuhfladen)
im Hintergrund befinden sich die Vorratsspeicher
Worku zeigt die Überbleibsel vom abgeschlossenen Wasserprojekt, sie sollen für die hoffentlich zukünftigen Wasserstelle des Dorfes Girger genutzt werden
Evangelist Worku vor der orthodoxen Kirche in Yifech Kola bei der Einweihungsfeier der Wasserstelle im Oktober 2009
Wir packen unsere Sachen für den Abmarsch zurück. Dass wir 2 Weißen in der Nacht völlig mit Flöhen verseucht wurden, haben wir erst richtig zu Hause gemerkt. Worknesh ist anscheinend immun gegen das Ungeziefer. Tigist hatte noch 2 Wochen danach mit den Flohbissen zu kämpfen, eine Sulfur-Creme brachte Linderung.
Vor dem Abmarsch noch ein kräftiges Frühstück (Injera mit Rührei und Berbere, das nationale scharfe Gewürz)
Abschlussbesprechung für weitere Vorgehensweise
mit dem Brunnenprojekt in Gerger und einen evtl. Bau einer Schule in Yifech
Kola.
Interessant sind hier Sitzgelegenheiten, die Lehmbänke
an den Wänden. Im ganzen Tal gibt es keinen Stuhl.
zum Schluss noch einen kleinen Rundgang durch das Haus unseres Gastgebers
Eine typische Schlafstelle: Holzgerüst mit Lederriehmen und Wolldecken
Kleiderschrank und sonstige Utensilien
und noch eine Schlafstelle
Familienanhang des Gastgebers
noch ein paar Familienanhänge
Der mühsame Rückweg und Aufstieg beginnt. Rechts von den Rückkehrern befindet sich der vorgesehene Bauplatz für die geplante Grundschule.
Worknesh gönnt sich eine kleine Rast und wird mit unserem Felsquell-Wasser versorgt.
unser Nachtlager wird auch wieder hoch transportiert
und weiter gehts hinauf
Schuhe aus Autoreifen tun es auch
Nach kleinen, Gott sei Dank nur vorübergehenden Schwierigkeiten mit Karl's Kreislauf mussten wir in 2200 Höhe über NN eine 20 min Pause einlegen. Wir hatten ja alles dabei!
Endlich in der Nähe des Hochplateaus
und noch einmal ein Blick zurück Richtung Osten
und noch ein Blick in Richtung Westen auf Yifech Kola
Evangelist Worku bedankt sich vor dem Ausstieg aus der Schlucht bei einem Dorfbewohner für die sichere Begleitung den Steilhang hinauf.
Den Austieg geschafft!
Erst mal eine Ruhepause nach all den Anstrengungen des Aufstiegs an einem schattigen Plätzchen
noch 1 Stunde auf der Hochebene zurück zum Auto
Links gesammelte Kuhfladen als Brennstoff, rechts Vorbereitung für den Gang zur Wasserstelle
einziger Supermarkt im Umkreis von 30 km, mittags aber geschlossen
wieder zurück auf der Schotterstraße, hier musste etwas vorsichtiger gefahren werden
weiter auf Schotter Richtung Make Turi
endlich zurück in der Zivilisation in Make Turi an der Bundesstraße 3
Wie geht es weiter in der Aboy Region?
Wie oben bei den Bildern bereits erwähnt, hat uns die Dorfgemeinschaft des Nachbardorfes Girger auch um eine Wasserstelle gebeten. Sie mussten vorher ca. 6 km laufen, umd den gefährlichen Abstieg zum Fluss zu erreichen, jetzt nutzen sie teilweise unsere neue Wasserstelle im 3 km entfernten Dorf Yifech Kola. Der Evangelist hatte vorher schon Expertenrat eingeholt. Es ist geplant, von der gleichen Felsquelle ein gut 3 km langes PVC-Rohr nach Girger zu legen. Eine Pumpe wird hier auch nicht benötigt, da der Höhenunterschied ca. 500 m beträgt und das Wasser so durch Eigendruck der noch zu bauenden Wasserstelle zugeführt werden kann. Die Kosten werden hierfür mit ca. € 5500.- veranschlagt..
Die Dorfgemeinschaft von Yifech
Kola, die sich überschwenglich bei uns für das erfolgreiche Wasserprojekt
bedankte, möchte für die weitere Entwicklung des schwer zugänglichen
Tales eine Grundschule bauen. Aufgrund des schwierigen Weges (Steilhang) zur
nächsten Schule ist es insbesonders den Jüngeren nicht möglich,
die Schule in Mergafet zu besuchen. In Mergafet hatten wir unser Auto geparkt,
von dort aus nach 4-stündigen anstrengenden Fussmarsch Yifech Kola erreicht.
Ein Teil des Materials für den Schulbau, z.B. Steine, Lehm, Holz, ist im
Tal vorhanden. Es müssen aber Zement für das Fundament sowie Wellblech
für das Dach aus dem 40 km entfernten Make Turi beschafft werden. Das Material
kann bis zur Abzweigung auf der Schotterstraße, ggf. auch bis Mergafet
gebracht werden. Von da aus können Zement und Wellblech dann mit Esel entlang
des Plateaus und dann den Steilhang hinunter ins Tal transportiert werden. Der
Bau der Schulanlage wird weitgehend von den Dorfbewohnern selbst durchgeführt,
geringfügige Ingenieursleistungen müssen extra bezahlt werden.
Neben dem Schulhaus mit 3 Klassenräumen muss auch eine Unterkunft für die 2 Lehrer gebaut werden. Die Lehrer werden nach Fertigstellung des Schulbaus von der Regierung gestellt und bezahlt. Material- und Transportkosten für das Schulhaus werden sich auf ca.€ 9500.- belaufen, die Materialkosten für das Haus für die Lehrer betragen ggf. € 2000.- Die o.a. Kosten sind vorerst Annahmen und beruhen auf den Erfahrungen bereits abgeschlossener vergleichbarer Projekte, konkrete Kostenvoranschläge wird uns Evangelist Worku noch zukommen lassen.
Ein Teil der Kosten wird von der Kollekte Februar 2010 der evangelischen Kirchengemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott beglichen werden können. Weitere Spenden werden nötig sein. Weitere Spenden sind herzlich willkommen, und können z.B. auch an die beiden Konten
ev. KGM Stieldorf-Heisterbacherrott,
Kreissparkasse Köln, KtoNr. 35001478, BLZ 370 502 99, Verwendungszweck
Äthiopien, oder Vereinigung äthiopisch-deutscher
Christen e.V., Kreissparkasse Köln, KtoNr. 61003646, BLZ 37050299 BLZ,
Verwendungszweck Aboy überwiesen
werden.
Fam. Schmidt steht Ihnen für weitere Informationen (02244-870641) gerne
zur Verfügung und bedankt sich bei der Gemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott
für die großzügige Unterstützung. Informieren Sie sich
auch über andere Projekte, die von Kirchengemeinden,
vom VÄDC e.V und Fam. Schmidt unterstützt werden. Lesen sie auch den
Reisebericht zum Projekt
"Kindergarten Durame", das die ev. Kirchengemeinde Königswinter
bzw. die Kleiderkammer unterstützt hat und weiter unterstüzen will.
Nachtrag Wasserprojekt Grigir
In 2010 konnte auch das Wasserprojekt Girgir erfolgreich
fertiggestellt werden. Unser Bauleiter vor Ort, Worku, hatte den Baufortschritt
mit der Kamera festgehalten und uns die Bilder zur Verfügung gestellt.
Informieren Sie sich über das Projekt Girgir in
diesem interessanten Bildbericht.
Transport der Wasserrohre in der Steilwand
Mit Gottes Segen
Ihre Fam. Schmidt aus Thomasberg